Posts mit dem Label Bolivien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bolivien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 20. September 2015

La Paz

La Paz ist eine sehr eindrückliche Stadt, die uns gut gefällt. Sie ist topografisch sehr interessant, da sie in ein Tal gebaut ist und die Differenz zwischen dem höchsten und tiefsten Punkt 1000 Höhenmeter beträgt. Die Stadt besitzt seit einem Jahr eine sehr praktische Seilbahn, die die Stadtteile miteinander verbindet.


Es gibt hier einen Hexenmarkt, wo die Aymara unter anderem Zutaten für Zeremonien verkaufen wie z.B. Lama-Föten, die bei einem Haus-Neubau im Fundament vergraben werden. Das soll die Pachamama (Mutter-Erde) wohlwollend stimmen und ihrem Haus Glück bringen.


El Alto ist der höchstgelegene Stadtteil von La Paz (ca. 4000 m.ü.M.). Sie wird Schwesterstadt von La Paz genannt. Dort befinden sich die Armenviertel der Aymara (Foto). Wir trauten unseren Ohren nicht, als unser Führer erzählte, dass hier noch Selbstjustiz praktiziert wird. Wird ein Dieb erwischt, tun sich die Quartierbewohner zusammen, verprügeln ihn und hängen ihn an einem Strassenpfahl oder einer Dachrinne auf oder übergiessen ihn mit Benzin und lassen ihn verbrennen. Und tatsächlich! Wir sahen drei Puppen oder Leichen an den Strassenlaternen hängen. Manchmal sind es zur Abschreckung auch Puppen.


Ganz in der Nähe der Stadt befindet sich das Mondtal. Sehr eindrücklich, denn die Erde hat sich noch nicht vollständig gesetzt, es gibt immer wieder Erosion. So wird dieses Tal noch etwa 20-30 Jahre bestehen und dann flach sein wie die Umgebung.


Heute Sonntag ist es in der sonst so verkehrsdichten Stadt ganz ruhig. Die Menschen gehen auf den Strassen spazieren. Die Stadt steht still, fast alle Läden und Restaurants sind geschlossen. Auffällig ist die hohe Polizeipräsenz. Wieso? Es findet eine nationale Volksbefragung zu einer Verfassungsänderung statt, ob der jetzige Präsident Evo Morales noch eine vierte Amtszeit machen kann. Er ist im Volk, vorallem bei der Unterschicht, sehr beliebt. In Bolivien gibt es einen Abstimmungszwang, wer nicht abstimmt, kriegt grosse Probleme. Damit der Wahlbetrug kleiner ist, darf an diesem Tag niemand Auto fahren.


Zur Gesundheit: Wir hatten in Bolivien dauernd Durchfall. Von der Speisekarte im Restaurant können wir 95% nicht mehr essen. Wir können z.B. kein Salat, kein Obst, keine Fruchtsäfte, kein Gemüse, kein Fleisch, keine Saucen, keine Milchprodukte, möglichst keine Kräuter oder Gewürze und kein Kaffee mehr zu uns nehmen. Was noch bleibt sind Brot, Kartoffel, Reis und Fisch, manchmal noch das Poulet, Tee und Wasser. Und trotzdem wir diese strenge Diät führen, uns mit Kohle und Verdauungspräparaten vollstopfen, haben wir grosse Mühe.

Trotz grossen Verdauungsschwierigkeiten gönnten wir uns ein Abendessen in einem Schweizer Chalet Restaurant. Das Essen war fantastisch (nicht das wir es vertragen hätten). Aber es war trotzdem schön, ein einem Appenzeller-Stübli zu sitzen und für einen Moment lang zu vergessen, dass wir in Bolivien sind. Die Heimfahrt im Taxi war auch ein Erlebnis. Während der abenteuerlichen Fahrt riss der Fahrer immer wieder die Autotüre auf und spuckte hinaus.

Freitag, 18. September 2015

Ein Spaziergang auf dem Meeresgrund - der höchste Salzsee der Welt

Wir waren vier Tage lang in einer bizarren Wildnis unterwegs, ganz im Südwesten Boliviens, nahe an der Grenze zu Chile. Es kam uns manchmal vor wie auf einem anderen Planeten. Interessant ist, dass dieses Gebiet einst ein Binnenmeer war. Das Wasser ist vor vielen Mio Jahren in den Pazifik abgeflossen, der Meeresboden ist ausgetrocknet, das Salz blieb zurück. Deshalb sieht man vielerorts Koralleninseln und Höhlen mit vertrockneten Algen. In diesem Gebiet begegneten wir Anden-Flamingos, Nandus, Vicuñas, Lamas und Viscachas (eine Mischung zwischen Hase und Murmeltier). Ausser den Lamas leben alle diese Tiere wild.


 
 

Es gibt viele verschiedenfarbige, wunderschöne Lagunen. Hier die Laguna colorada, rote Algen sorgen für diese Farbe:


und die Laguna verde auf 4850 m.ü.M:


Wir sind am höchsten Punkt unserer Reise angekommen (5000 m.ü.M.). Es ist saukalt und windig.

 
Wir waren umgeben von Vulkanen und Geysiren:
 

 
Es gibt viele "Steintäler" mit skurrilen Felsformationen:



In der Gegend gibt es immer wieder Präinka-Gräber. Die Toten wurden in der Fötus-Stellung in Grabhügel aus Vulkangestein eingegraben. Teils gab es wertvolle Grabbeigaben aus Silber und Gold.



Der höchst gelegene und grösste Salzsee der Welt (Salar de Uyuni):

(für die M-Cracks: Das Muster sieht aus wie ein Voronoi-Diagramm...)

Im Salzsee gibt es Inseln, die von vielen sehr alten Kakteen bewachsen sind:



Uns ist aufgefallen, dass die einheimischen Aymara uns "Weissen" gegenüber teils sehr kritisch und unfreundlich sind. Wir haben beispielsweise in einem kleinen Dorf den Gemüsemarkt besucht und wollten einen Stand fotografieren. Dies hat die Aymara Frau, welche den Stand unterhielt, so verärgert, dass sie uns wie Vögel verscheuchen wollte. Die Situation ist widersprüchlich, die Aymaras möchten vom Tourismus leben, bauen Strassen und Hotels, mögen aber keine weissen Touristen. Wieso? Seit 500 Jahren wurden die Einheimischen stark unterdrückt, im 16. Jh. teils versklavt. Seit etwa 1990 werden die Rechte der Indianer (Aymara und Quechua) durch die Regierung gestärkt. Jetzt erleben die Weissen im Land (Einheimische und Touristen) teilweise eine umgekehrte Diskriminierung.




Sonntag, 13. September 2015

Die Sonneninsel

Mitten im tiefblauen Titicaca-See liegt die Isla del Sol, die Sonneninsel.


Über einen recht steilen schmalen Weg erreichten wir nach ca. 1h Wanderung unsere Lodge. Dies war unsere Aussicht:



Bereits beim Aufstieg musste ich feststellen, dass ich grössere Schwierigkeiten mit der Höhe hatte als meine Frau. Die Lodge befindet sich auf ca. 4100 m.ü.M. So musste ich also am Abend etwas Sauerstoff tanken.


Am zweiten Tag machten wir unter der Führung unseres ortskundigen Guides eine fünfstündige Wanderung auf der Insel. Dabei konnten wir die geologischen Besonderheiten der Insel in allen Variationen geniessen.


Tektonische Platten:


Zum Schluss gelangten wir zum so genannten Pumafelsen, einer imposanten Felsformation, welche dem Titicaca-See seinen Namen verliehen hat. Titi-Karka bedeutet nämlich auf Aymara Pumafelsen. Für die Inka war dieser Fels sehr heilig.



Waschtag auf der Sonneninsel:


Unser Essen auf der Insel:


Es gibt keine Autos auf der Insel, Esel verrichten die Transportarbeit: